Cape Reinga und der Norden

Cape Reinga und der Norden 03-13.02 2017 Tag 216- 226
Mit Nobbi on the Road. Nobbi fährt sich wirklich prima und wir freuen uns auf die gemeinsamen 7 Wochen Roadtrip durch Neuseeland die nun vor uns liegen. Schnell erledigen wir noch ein paar kleine Einkäufe, bevor es dann wirklich los geht. Wir fahren bis Ruakaka Beach, wo wir am Strand unsere erste Pause einlegen. Nach ein paar Broten und einem kurzen Ausflug zum Strand, entscheiden wir uns einfach spontan hier zu bleiben, denn hier gefällt es uns und der Campingplatz liegt direkt am Strand. Wir verbringen den Nachmittag am Platz und richten Nobbi das erste Mal für die Nacht her. Er riecht immer noch ein bisschen muffig, obwohl wir alles gewaschen haben. Vielleicht müssen wir irgendwann mal die Decken austauschen. Zum Abendessen besucht uns eine kleine Entenfamilie, die uns sogar aus der Hand frisst. Wir verbringen den ersten Abend mit unserem Nachbar einem netten älteren Kiwi und erfahren viel über Neuseeland, die Kiwis und vieles mehr. Die erste Nacht in unserem Camper verbringen wir hervorragend. Es gibt ausreichend Platz und wir schlafen richtig gut auf den Matratzen, lediglich der muffige Geruch stört uns noch einwenig. Zudem vermuten wir, dass wir eine Maus im Camper haben, denn am nächsten Morgen sind sowohl eine Oatmeal Packung, als auch mein Müsli angeknabbert. Wir sehen zwar nichts, doch vorsichtshalber packen wir unser Lebensmittel lieber mal sicher in die Kühltasche, die wir glücklicherweise bei unserem ersten Einkauf gleich mit gekauft haben. Natürlich kommen die Enten auch zum Frühstück vorbei und natürlich teilen wir unser Brot brüderlich.

Nach dem Frühstück geht es wieder auf die Straße unser nächstes Ziel heißt Waitangi. Ohne zu wissen, was uns hier erwartet, checken wir Waitangi Holiday Park ein. Wir sind noch etwas verwundert, warum der Platzwart meint, wir sollten uns lieber sofort entscheiden, falls wir mehre Tage bleiben wollen. Er drückt uns noch einen Festival Plan in die Hand und so langsam begreifen wir, dass wir am Waitangi Treaty Day, einem der höchsten Feiertage in Neuseeland in Waitangi selbst gelandet sind. Hier wurde 1840 das so genannte Waitangi Treaty zwischen den Maori, den Ureinwohnern Neuseelands und den Briten unterzeichnet und zwar genau am 06. Februar. Was für ein Glück gerade hier zu sein. In unserem deutschen Quarter, scheinbar hat der Platzwart alle Deutschen in der gleichen Ecke einquartiert, machen wir schnell Bekanntschaft mit Berit, Max und Freja. Wir verbringen einen netten Abend und entschließen uns natürlich noch bis Dienstag den 07. Februar in Waitangi zu bleiben. Doch heute ist erst de 05. Februar. Die Vorbereitungen für das Festival sind direkt neben unserem Campingplatz schon kräftig im Gange. Wir schlendern in die Stadt, beobachten eine Gruppe junger Mädchen, die ihre Streetdance Performace vermutlich für den nächsten Tag einstudiert und entscheiden uns spontan nach Russel überzusetzen. Einem kleinen Städtchen auf der gegenüberliegenden Halbinsel. Schon vom Boot aus sehen wir ein typisches Maori Langboot auf eine Bucht zusteuern und sehen eine Gruppe von Menschen am Ufer, die sich scheinbar bereit macht das Langboot zu empfangen, oder es zu verscheuchen, da sind wir uns nicht so ganz sicher. Sobald unser Boot angelegt hat, steuern wir direkt auf das Spektakel am Ufer zu um Zeuge eines Maori Hakka Tanzes zu werden. Nicht für uns, sondern nur für sich selbst und ihrer Tradition Willen, empfangen die Maori das Boot am Ufer unter lautem rhythmischen Geschrei und eindeutigen Gesten, die auf Tod und Verderben hindeuten, tanzen sich die Menschen am Ufer in Rage. Sie scheinen die Touristen, die mit staunenden Augen am Ufer stehen und zusehen, gar nicht wahrzunehmen. Der Hakkatanz wird von den Männern auf dem Boot mit entsprechenden Gesten erwidert und wir werden Zeuge, wie das Boot anlegt. Gut hundert Männer kommen einer nach dem anderen vom Boot herunter und begrüßen die am Ufer tanzende Menge freundlich, die tödlichen Gesten sind vergessen und nach dem der Häuptling, 1 Stunde Pause verkündet hat, sitzen sie friedlich gemeinsam am Ufer, quatschen und vertreiben sich die Zeit. Eine gute Gelegenheit für uns die Männer genauer zu betrachten. Alle sind Oberkörperfrei und teilweise imposant tätowiert. Nicht alle haben die typische Bräune der Maori, einige sehen sogar eher europäisch oder asiatisch aus. Glücklich dem Spektakel beigewohnt zu haben, schlendern wir durch Russel, ein kleines nicht weiter beeindruckendes Städtchen. Im Supermarkt kaufen wir ein bisschen Brot und Wurst um uns zum Essen wieder ans Ufer zu begeben,  die Pause der Maori sollte so langsam zu ende sein und wir wollen die Abfahrt des Langbootes auf keinen Fall verpassen. Nachdem die Maori unter lautem Gebrüll und mit den Rudern salutierend wieder los geschippert sind begeben auch wir uns langsam wieder zur Anlegestelle unseres Bootes um so langsam den Heimweg anzutreten. Während wir auf unser Boot warten beobachten wir eine größere Delegation wichtig aussehender Menschen, die mit Namensschildchen und eigener Security ebenfalls am Hafen auf ein Boot warten. Natürlich auf ein Privates. Wie sich rausstellt, sind es Botschafter vieler verschiedener Länder, neben dem Deutschen Botschafter, sehen wir Vertreter vieler Südamerikanischer und auch afrikanischer Länder. Wir beobachten die wichtige Delegation, wie sie mit ihrer Privatjacht davon fährt und dann wird es auch für uns Zeit auf unser Schiff zu gehen. Zurück in Paihia schlendern wir noch über den Markt bevor wir zu unserem Campingplatz zurück kehren. Hier treffen wir unsere neuen deutschen Freunde wieder, mit denen wir nach einem kurzen Besuch im Countdown, den Abend bei Nudeln mit Sauce und Rotwein gemütlich ausklingen lassen.

Am nächsten Tag ist es dann soweit. Der Nationale Feiertag des Waitangi Treaty wird hier mit einem kleinen Festival gefeiert. Nach dem Frühstück machen wir uns also zu fünft auf den Weg zum Festival Gelände, welches sich auf einer kleinen Halbinsel befindet, die über eine Brücke erreichbar ist. Normalerweise kostet es gut 40 $ Eintritt um auf die Insel zu kommen, doch heute anlässlich der Festivitäten ist der Eintritt frei. Zuerst schlendern wir über eine Art Markt, mit Essens- und Schmuckständen, ein paar Kinderattraktionen und jede Menge lokaler Kunst. Vom Marktgelände gehen wir weiter auf die Halbinsel, kommen an einer Bühne vorbei, auf der wir die Kids von gestern tanzen sehen. Über einen Hügel erreichen wir die zweite Bühne und schauen uns die traditionellen Tänze an die dort geboten werden. Doch richtig spannend, müssen wir leider zugeben ist es nicht. Viel spannender ist es die Leute auf dem Festival zu beobachten. Wir schlendern langsam zurück und Berit verabschiedet sich, so dass wir nur noch zu viert unterwegs sind. Wir essen eine Kleinigkeit, und ich bekomme einen typischen Maori Fischerhaken aus Rinderknochen an einer Kette, als hübsche Erinnerung an Neuseeland. Wir beobachten erneut einen Hakkatanz am Ufer und beobachten das Langboot, welches wir schon am Vortag gesehen hatten wie es am Ufer anlegt. Langsam schlendern wir zurück zu unserem Campingplatz. Am Nachmittag entscheiden sich Marius Max und Freya nochmal zum Festival zu gehen, während ich am Camper bleibe um einen ruhigen Nachmittag zu genießen. Doch schon bald kommen sie wieder zurück, da das Festival bereits gegen 17 Uhr zu schließen begann.
Alles in allem, ein wirklich beeindruckendes Spektakel zu ehren des 1840 verabschiedeten Waitangi Treaty zwischen den Briten und den Maori.

Zeit weiter zu ziehen. Nach 3 Nächten in Waitangi fahren wir gemeinsam mit Max und Freya zum Mai Tai Beach, einer gut 100 km nördlich gelegenen wunderschönen Bucht auf der letzten Halbinsel vor der nördlichsten Spitze Neuseelands. Wir erreichen unseren Campingplatz schon kurz vor Mittag und verbringen den restlichen Tag mit chillen in den Hängematten und am Strand. Das Wetter ist hervorragend, so dass wir sogar in die Fluten springen und einige Zeit im Wasser verbringen. Was für ein herrlicher Sommer-Sonnentag.
Am Abend kochen Max und Freya Bratkartoffeln für uns. Wir genießen es bekocht zu werden und verbringen einen netten letzten gemeinsamen Abend. Denn Max und Freya fahren von hier aus wieder gen Süden, während wir am nächsten Tag die Nordspitze Neuseelands umrunden werden.

Wir fahren also weiter und sind gespannt ob unser Auto die erste Gravel Raoad um Cape Reinga überstehen wird. Doch wir erreichen die nördliche Spitze ohne einen Millimeter Schotterpiste. Scheinbar ist unser Reiseführer von 2008 nicht mehr ganz auf dem neusten Stand.
Wir stellen Norbert ab und machen uns die nächsten paar Meter zufuß auf den Weg zum Leuchtturm und somit zur nördlichsten Spitze Neuseeland. Hier treffen Pazifischer Ozean und das Tasmanische Meer aufeinander. Man kann es sogar sehen, wie sich die Wellen mitten auf dem Meer ineinander  verschlingen. Ein interessantes Schauspiel. Wie zu erwarten war, ist es hier windig und ehe Marius sich versieht, fliegt seine Thailandmütze den Abhang herunter und landet in einem Busch. Mit einer waghalsigen Rettungsaktion bekommt er seine Mütze aus dem Abhang gefischt. Mir wird schon beim zusehen ganz anders und als er wohlbehalten zurück ist, bekommt er erstmal etwas Ärger, sein Leben für eine 3 Euro Mütze auf´s Spiel zu setzten. Doch alles ist gut und wir schlendern erleichtert weiter zum Leuchtturm und im Anschluß wieder zurück zu unserem Auto.

Wir fahren ein kleines Stückchen und erreichen unseren Campingplatz für die Nacht. Eine DOC Site für 8 $ direkt am Meer. Die Duschen sind zwar kalt und es gibt keine Spüle an der wir unseren Abwasch machen können. Aber sonst haben wir alles was wir brauchen und freuen uns über eine Nacht am Meer. Jedoch haben wir die Rechnung ohne die Mücken gemacht, die sich durch die kleinen Ritzen unserer Fenster ins Innere schleichen und noch bevor wir schlafen können beginnt die Jagt. Wir töten gut 30 nervtötende Blutsauger, schließen die Fenster und können endlich schlafen. Unweit unseres Campingplatzes befinden sich riesige Sanddünen, die wir am nächsten Vormittag nach dem Frühstück ansteuern. Es ist frisch und zum ersten Mal nutzen wir unsere Klimaanlage nicht. Doch noch während wir die stürmische Sanddüne erkunden kommt die Sonne raus und es wird langsam wärmer. Die Sanddüne oder besser gesagt Dünen sind schon beeindruckend. Der Sand wird vom Wind aufgewirbelt und zeichnet interessante Formen auf den Boden. Wir werden fast weggefegt vom starken Wind und die Sandkörner fühlen sich an wie 1000 Nadelstiche auf unserer Haut. Wir sind begeistert. Zwar haben wir uns kein Surfboard mitgenommen um die Dünen nach dem anstrengenden Aufmarsch wieder runter zu düsen, jedoch haben wir Mülltüten dabei, quasi der kostenlose Dünenrutschspaß, doch schnell stellen wir fest, dass es mit Mülltüten nicht funktioniert. Immer wieder sackt unser Hintern in den Sand und wir rutschen nicht einen Millimeter. Wieder was gelernt. Was im Schnee funktioniert, funktioniert nicht zwangsläufig auch im Sand. So rennen wir ausgelassen die Dünen wieder runter und beobachten andere Touris, wie sie mit ihren Surfbrettern davon sausen. Am Ende unseren Ausflugs sind wir paniert. Überall Sand, aber das war es definitiv wert.

Nach einem kurzen Cafestopp sind wir auch schon wieder unterwegs. Diesmal wieder mit Klimaanlage. Und siehe da, da ist dieses komische Geräusch wieder, als hätte unser Norbert ein Problem mit seinem Keil- oder Zahnriemen. Also machen wir die Klimaanlage wieder aus und stellen erleichtert fest, dass dieses Geräusch scheinbar überhaupt nichts mit irgendwelchen Riemen zutun hat, sondern lediglich an der Klimaanlage hängt. Gut, wieder was gelernt. Es ist sowieso viel Sprit sparender ohne Klima zu fahren. Also bleibt sie den Rest unserer Reise aus und wir öffnen stattdessen die Fenster. Gut 2 Liter Sprit auf 100 km sparen wir dadurch ein.
Unser nächster Stopp ist er 90 Mile Beach. Der zwar nur gute 89 km lang ist, trotzdem aber liebevoll als 90 Mile Beach bezeichnet wird. Als wir einen Beach Zugang von der Hauptstraße aus ansteuern, stellen wir fest, dass wir sogar bis auf den Strand selbst hätten fahren können, doch das überlassen wir lieber den 4 Wheelern, denn schließlich wollen wir mit Nobbi nicht im Sand steckenbleiben. Als wir den Strand erreichen ist gerade Ebbe, so dass wir den Strand in seiner vollen Größe und Schönheit betrachten können. Wieder Sand soweit das Auge reicht. Ein paar Fotos geschossen, kurz die Füße gebadet und das Wasser für zu kalt befunden und schon sitzen wir auch wieder im Auto um zu unserem Tagesziel, ein Campingplatz am südlichen Ende des 90 Mile Beach in Ahipara zu fahren.

Hier treffen wir Berit wieder. An diesem Luxuscampingplatz, der seine stolzen 22 $pro Person abruft verbringen wir einen netten Abend mit Berit, bevor wir am nächsten Tag über die kurvigen Straßen in die wunderbaren Wälder Neuseelands aufbrechen. Die Fahrt zum Waipoura Forest ist schon ein Genuss für sich. Kurvige enge Straßen schlängeln sich durch die dicht bewaldeten, fast schon Dschungelartig mit Farnen bewachsenen Berge. Saftiges Grün und strahlend blauer Himmel sind unsere Begleiter an diesem Tag. Wunderschön! Der Gedanke, dass uns  die ursprünglich geplanten 7 Wochen in Neuseeland nicht reichen werden festigt sich immer mehr. Was wir allein schon in den ersten Tagen gesehen haben, von Bergen, Meer, Wäldern, Sand und Strand, gefällt uns richtig gut. Und dann hören wir auch noch immer wieder von anderen Reisenden, dass die Südinsel noch schöner und abwechslungsreicher sein soll. Kaum zu glauben…. Aber wir werden ja sehen.
Auf dem Weg zu unserem Campingplatz im Waipoura Forest selbst, kommen wir an verschiedenen kleinen Waldwegen vorbei, an denen man anhalten kann um uralte, riesige Bäume zu betrachten.  Also halten wir an um genau dies zu tun. Diese Region erinnert uns nun sehr stark an Kanada und der nette Waldweg zur Giant Cedar. Wir betrachten die Wunder der Natur und erreichen kurz darauf unseren Campingplatz. Hier sehen wir zum ersten mal einen Wicked Camper, ähnlich dem, den wir in Kanada hatten. Schnell kommen wir mit den beiden Deutschen Mädels die ihn gemietet haben ins Gespräch. So verbringen wir einen netten Abend mit Iris und Ingrid, bevor wir uns vor dem zu Bett gehen, wieder einmal damit beschäftigen die ganzen Mücken in unserem Camper zu töten. Wir sind uns einig, es wird Zeit sich ein Insektenspray zu kaufen.
Der nächste Tag wird schon der letzte unserer kleinen Runde nördlich von Auckland. Gemütlich tuckern wir so langsam wieder zurück zu Babs, Sebi und Noah. Doch vorher machen wir noch an einem hübschen See halt, gönnen uns einen Café, schlendern am Ufer entlang und werden kurze Zeit später noch mit einer unerwarteten kleinen Fährfahrt überrascht. Der Rest der Fahrt verläuft eher unspektakulär, in Silverdale kaufen wir noch schnell ein bisschen ein, denn ich habe mir überlegt, am Abend eine Lasagne für alle zu machen.
Sebi und Noah sind an diesem Tag erst aus Deutschland zurück gekommen und erholen sich noch etwas vom Jetlag. Ich koche und Marius und Babs spielen mit Noah, an dem die Strapazen des langen Flugs scheinbar spurlos vorbeigegangen sind. Eigentlich dachten wir, wir würden am nächsten Tag weiter gen Süden der Nordinsel aufbrechen, doch nachdem Babs und Sebi uns für´s BBQ mit Freunden am nächsten Tag fest eingeplant haben, bleiben wir spontan noch eine Nacht länger und verbringen einen super schönen Nachmittag im Hause Heise.

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