Ein Roadtrip bis ans Ende der Welt

Endlich wieder unabhängig – Mit dem Auto von Mendoza nach Ushuaia und zurück.
30 Tage 9.000 km zwischen Argentinien und Chile 28.10.-27.11.2016 Tag 116 – 146

Mit dem Bus nach Mendoza, Argentinien
26.10.2016 – 28.10.2016 Tag 114-116

Unser Bus startet pünktlich um 8:00 Uhr Morgens gen Argentinien. Weitere 8 Stunden Busfahrt liegen vor uns. Wir sind uns sicher, so werden wir nicht weiterreisen. Dies wird vorerst unsere letzte Busfahrt werden. Wir wissen zwar noch nicht so genau wie es dann ab Mendoza weitergehen wird, aber wir sind uns einig, dass es nicht in einem Bus sein wird. Hörbücher und Musik vertreiben uns die Fahrt bis zur Grenze. Unser Bus schlängelt sich die Berge hinauf und oben, kurz vor der Schneefallgrenze, erreichen wir dann auch den Grenzübergang zu Argentinien. Nach einer guten Stunde ist unser Bus abgefertigt und wir haben zwei weitere Stempel in unserem Reisepasse.
Am Nachmittag erreichen wir Mendoza und unser kleines Stadthotel im Ortszentrum.
Klein aber fein und wesentlich günstiger als in Chile. Ok das Frühstück ist eins der schlechteren, aber das sind wir ja schon gewöhnt. Mendoza gefällt uns auf Anhieb richtig gut. Wir fühlen uns sicher und schlendern durch die belebte Stadt, die an jeder Ecke einen Park zum Verweilen bereithält. Die Menschen wirken freundlich und entspannt. Auch der Autoverkehr schein hier, wie auch schon in Chile sehr geregelt und rücksichtsvoll vonstatten zu gehen. Schnell haben wir die Fußgängerzone gefunden und entscheiden uns für unser erstes argentinisches Rindersteak mit einem Bier in einem netten Lokal in der Fußgängerzone. Endlich mal ein milder Abend an dem man draußen sitzen kann. Uns geht es gut wir sind glücklich.
Den Rest des Abend verbringen wir mit der Planung des weiteren Verlaufs unserer Reise. Wir vergleichen diverse Mietwagenangebote. Schnell wird uns klar, wir müssen einen richtigen Autoverleih aufsuchen und uns beraten lassen. Achja und Wäsche müssen wir machen, denn wir haben nicht mal mehr eine saubere Unterhose im Gepäck.
Der Verlauf des nächsten Vormittages ist also schon mal gesetzt.
Erst Wäsche und dann Auto. Wir finden eine günstige Wäscherei, die unsere Wäsche zu einem fairen Preis in 2,5 Stunden fertig macht. Perfekt. Nächste Station Sixt. Wir werden hervorragend beraten und schon eine Stunde später steht fest, wir haben ab Morgen für die nächsten 30 Tage einen Toyota Etios für unsere Reise nach Ushuaia und zurück. Noch schnell ein 2. Frühstück in der Fußgängerzone und auf dem Rückweg zum Hotel holen wir unsere Wäsche ab. Was für ein perfekt gelaufener Vormittag. Wir freuen uns auf unser Auto und den bevorstehenden Campingausrüstungseinkauf bei Walmart am nächsten Vormittag.
Den Nachmittag verbringen wir entspannt und den Abend mal wieder bei einem Stück Rindfleisch begleitet von einem leckeren Rotwein in der Fußgängerzone.

Die ersten 2.000 km von Mendoza nach Esquel 28.10-03.11.2016 Tag 116-122
oder „Argentinien – Chile – Argentinien“
Voller Vorfreude holen wir am nächsten Morgen unser Auto ab. Das Bewilligungsdokument für den Grenzübertritt nach Chile und zurück ist ebenfalls fertig. Im Internet hatten wir gelesen, dass es bis zu 10 Tage im Vorfeld bestellt werden muss. Nicht bei unserer Autovermietung, hier klappt es unkompliziert von einem auf den nächsten Tag.
Schnell holen wir unser Gepäck im Hotel ab und düsen weiter zum nächsten Walmart. Wir sind überrascht, die Preise hier haben sich gesalzen. 3 Stunden später und 340 Euro ärmer haben wir alles was wir für unseren Campingtrip benötigen. Es kann also losgehen. Unser erstes Etappenziel ist das 220 km entfernte San Rafael. Ein kleines Dörfchen in einer berühmten Weingegend gelegen. Unser Reiseführer empfiehlt uns sogar einen Campingplatz. Am frühen Abend erreichen wir unseren Campingplatz. Neben einem einzigen weiteren Gast gehört der Campingplatz uns und den 3 Hunden, die wir schnell in unser Herz schließen. Unser Zelt ist schnell unter den Kiefern aufgebaut und wir erfreuen uns an einem milden Abend unter freiem Himmel. Wir genießen unser Freiheit und die Unabhängigkeit unseres Reisestiels.
Ok, der Campingplatz ist schon etwas in die Jahre gekommen. Es wirkt als wären die Gäste irgendwann ausgeblieben und die Besitzer haben die Motivation verloren etwas an ihrem Platz zu tun. Die Mülleimer quillen über, die Waschräume wirken verwaist und ungepflegt. Angeblich soll sogar heißes Wasser aus den Leitungen kommen. Wir wollen es lieber nicht ausprobieren, denn wir befürchten nach einer Dusche dreckiger zu sein als vorher. Trotzdem rufen sie einen stolzen Preis von 15 Euro die Nacht ab, was sich gar nicht mit der Aussage aus unserem Reiseführer deckt. Wir werden das Gefühl nicht los, dass wir ordentlich an der Nase herum geführt wurden. Nun gut, Lesson learned.
Der milde Abend entwickelt sich zu einer richtig kalten Nacht und so frieren wir wie schon in Kanada und den USA. Unsere Schlafsäcke sind wirklich nicht für diese Temperaturen ausgelegt. Wieder einmal machen wir diese Erfahrung. Zum Glück wärmt die Sonne am nächsten Morgen unser Zelt einwenig auf bevor wir aufstehen müssen. Wir packen unsere 7 Sachen und sind auch schon wieder unterwegs. Unser heutiges Etappenziel ist die knapp 300 km entfernte Grenze nach Chile. Las Loicas heißt der letzte Ort in Argentinien, bevor es rüber nach Chile geht. Doch bevor es losgeht, wollen wir uns noch San Rafael anschauen. Vergeblich suchen wir das Zentrum der Stadt und verlieren irgendwann die Lust und fahren einfach weiter. Schließlich haben wir noch genug Kilometer zu fahren. Wir kommen gut voran wir Stoppen zur Mittagspause in Malargüe einem kleinen Skiort, der sich gerade mitten in der Siesta befindet. Wir finden das einzige Restaurant was scheinbar geöffnet hat und verspeisen eine Pizza. Nach einer guten Stunde geht es weiter und wir erreichen die Grenze gegen 17:00 Uhr. Ein kleiner Campingplatz vor der Grenze bietet uns einkostenloses Nachtquartier. Auch heute Nacht frieren wir. Auf gut 2.000 Meter Höhe ist es doch noch etwas kälter als in San Rafael. Ein kleines Campfire erwärmt uns den Abend bevor wir uns wieder in voller Montur in unsere Sommerschlafsäcke kuscheln. Die Nacht wird so bitter kalt, dass es mich schon um 6:00 Uhr aus dem Bett zieht. Ich muss mich bewegen, sonst erfriere ich noch. Ein heißer Kaffee, ein gutes Frühstück und die Sonne wärmen uns wieder auf. Pünktlich um 9:00 stehen wir mit gepacktem Auto an der Grenze und checken aus Argentinien aus. 36 km folgen wir der Straße und einem atemberaubenden Panorama bevor wir an das Grenzhäuschen der Chilenen gelangen. Nach den Formalitäten wird unser Auto einmal komplett durchgefilzt und die Grenzer werden sogar fündig. Eine Zwiebel und zwei Knoblauchzehen haben wir illegalerweise noch in unserem Kofferraum. Ich werde erneut registriert, das Gemüse wird gewogen und dann entsorgt. Gut, beim nächsten Mal passen wir ein bisschen besser auf.
Zurück in Chile nehmen wir die Autobahn 5. Die einzige Autobahn die den Norden mit dem Süden verbindet und ca. alle 30 km eine Maut von knappen 3 Euro verlangt. Ihr folgen wir gen Süden bis zu unserem knapp 400 km entfernten Etappenziel in Salto de Laja. Unser ursprüngliches Ziel Concepcion lassen wir im wahrsten Sinne des Wortes rechts liegen und fahren noch ein Stückchen weiter gen Süden. Unsere kostenlose Navi App von maps.me ist Gold wert und führt uns zu einem der zahlreichen Campingplätze in Salto de Laja. Einem kleinen Ferienort mit Ausblick auf einen schönen Wasserfall. Es ist Sonntag, dementsprechend viel ist hier los. Doch wir finden ein Plätzchen für unser Zelt für knappe 10 Euro. Angeblich wird es des Nachts hier nicht so kalt, doch auch hier werden wir wieder mal eines besseren belehrt. Kühle feuchte Luft zieht vom Fluss herauf und lässt uns wieder mal in unseren Schlafsäcken erzittern. Doch eine heiße Dusche am Morgen lässt uns die kalte Nacht schnell vergessen und ehe wir uns versehen, sitzen wir auch schon wieder in unserem Auto in Richtung Pucon unserem gut 300 km entferntem Etappenziel für den heutigen Tag. Doch auf halben Weg machen wir Halt in Temuco um uns endlich richtige Schlafsäcke und ein Tarp für unser Zelt zu kaufen. In einem Baumarkt werden wir fündig. Jetzt kann uns die Kälte nichts mehr anhaben. Doch wir haben die Rechnung ohne den Regen gemacht, der schon seit unserer Abfahrt in Salto de Laja unermüdlich auf unser Auto herunter prasselt. Vielleicht ist das Wetter in Pucon ja besser. Wir fahren also weiter und erreichen Pucon am frühen Abend. Leider hat der Regen nicht nachgelassen und wir klappern einige Hostels ab, bis wir unseren Übernachtungsplatz in einem kleine, süßen Hostel am Stadtrand finden. In der Küche des Hostels koche ich meinem fleißigen Fahrer noch ein Abendessen, bevor wir uns relativ früh in unsere Gemächer zurückziehen. In Pucon hatten wir ursprünglich geplant länger zu bleiben. Denn dieser malerische Ort hat einiges an Wanderungen und wunderbarer Natur zu bieten. Doch leider haben wir Dauerregen erwischt und die Schneefallgrenze kommt erschreckend nah herunter. Wir nehmen es wie es kommt und hoffen auf besseres Wetter auf der Rückfahrt. Wir fahren also weiter, nicht nach Puerto Montt, wo ebenfalls Dauerregen angesagt ist, sondern zurück über die Berge nach Bariloche in Argentinien. Wir verabschieden uns von unserem netten Herbergsvater, geben ihm diesmal wirklich alle Lebensmittel die nicht überführt werden dürfen und fahren los in Richtung Grenze. Je näher wir der Grenze kommen, desto besser wird das Wetter. Wir passieren die Schneegrenze und werden mit atemberaubenden Ausblicken auf Schneebedeckte Berge und Vulkane belohnt. Oben angekommen checken wir unproblematisch aus Chile aus und stellen fest, dass die Grenzer der Argentinischen Seite es nicht so genau nehmen. Ohne gefilzt zu werden erreichen wir Argentinien. Lediglich die Straße und der Asphalt sind hinter der Grenze verschwunden, so dass wir einige Kilometer über eine Schotterpiste durch eine atemberaubende Landschaft ruckeln. Landschaftlich gefällt uns Argentinien um einiges besser. In Chile hatten wir im Regen zwischendurch den Eindruck durch den sauerländer Frühling zu fahren.
Das Wetter wird immer besser und die Landschaft belohnt uns mit einer wundervollen Aussicht.
Nach gut 360 km erreichen wir unser Etappenziel in San Carlos de Bariloche. Campingplätze gibt es hier einige, jedoch sind die ersten beiden die wir finden noch geschlossen. Die Saison hat noch nicht begonnen. DIe anderen beiden Plätze haben zwar geöffnet, rufen aber recht teure Preise auf. Wir wären die einzigen Camper, trotzdem lassen sich die Platzwärter nicht erweichen und wollen für einen Campingplatz fast soviel Geld wie für eine richtige Unterkunft. Das ist uns zu teuer und außerdem sind die Temperaturen nicht gerade zeltfreundlich. Also entschließen wir uns nach einer richtigen Unterkunft Ausschau zu halten. Wir werden fündig. Das Hostel La Luna bietet uns ein Doppelzimmer mit eigenem Bad und Seeblick zu einem akzeptablen Preis an. Es ist warm und riecht wie in einer Sauna. Eine gemütliches Zimmer mit Blockhausatmosphäre wird unser Domizil für die Nacht. Der Wind peitscht über die Schneebedeckten Berge und wühlt den See auf. Es ist richtig kalt draußen und wir freuen uns über eine richtige Unterkunft. Zumal es in der Nacht auch noch zu Regnen beginnt. Gespannt checken wir die Wettervorhersage, vielleicht klappt es ja morgen hier mit einem kleinen Wanderausflug. Wieder einmal merken wir, dass die Saison noch nicht begonnen hat und wir müssen unseren Ausflug wetterbedingt wieder einmal verschieben. Im anliegenden Restaurant essen wir eher schlecht als recht, aber dafür relativ teuer zu Abend.
Am nächsten Morgen erwartet uns ein fabelhaftes Frühstück, damit hatten wir nicht gerechnet. Neben Wurst, Käse und richtigem Kaffee gibt es sogar Kuchen, Marmelade, Joghurt und Orangensaft. Wir stärken uns in netter Gesellschaft von Andres, einem älteren, sehr intelligentem Herren der in Deutschland aufgewachsen ist und vor kurzer Zeit von Argentinien nach Chile gezogen ist. Er freut sich sehr mal wieder deutsch zu sprechen und wir sitzen noch einige Zeit gemeinsam am Frühstückstisch. Danach heißt es aber weiter fahren. Doch diesmal sind wir schlauer, wir checken die Wettervorhersage für unseren Ankunftsort und buchen uns schon im Vorfeld eine günstige Unterkunft. Das mit unseren Campingplänen scheint irgendwie nicht so recht zu klappen. Heute wird es nur eine kurze Etappe, schon nach 290 km kommen wir in unserem Zielort Esquel an. Unsere Unterkunft entpuppt sich als kleines dreieckiges Ferienhaus mit Küche, Kamin, Wohnzimmer und Schlafzimmer im 1. Stock. Wir sind so begeistert, dass wir gleich noch eine Nacht länger buchen. Das Wetter ist zwar immer noch sehr stürmisch, unser Wagen ist auf der Fahrt hierher ordentlich durchgeschüttelt worden, aber so langsam wird es für uns Zeit mal wieder ein paar Zeilen für unseren Blog zu schreiben. Wir haben Glück unsere Unterkunft ist für die folgende Nacht noch frei und so bleiben wir erstmal für 2 Nächte in Esquel. Eine Pause wird uns nach gut 2.000 km sicher gut tun. Am Nachmittag fahren wir noch mal ins Dorf, wir müssen Geld holen und für´s Abendessen einkaufen. Gesagt, getan. Auf dem Rückweg nehmen wir noch etwas Feuerholz für unseren Kamin mit. In unserem kleinen Ferienhaus  fühlen wir uns wie im Schweden oder Dänemark Urlaub. Schön! Daran könnten wir uns für eine Weile gewöhnen. Zum Abendessen gibt es leckeres Rindfleisch mit Kartoffel-Käse-Püree, Zwiebelsauce, Salat und einen leckeren Rotwein. Es könnte uns wahrhaft schlechter gehen.
Das Feuer in unserem Kamin bekommen wir zwar nicht zum brennen, das Holz ist einfach zu feucht, trotzdem genießen wir den Abend in unserem kleinen Häuschen und freuen uns über die Tatsache den morgigen Tag mal nicht im Auto zu verbringen.
Ausgeschlafen gönnen wir uns ein reichhaltiges Frühstück mit selbst gemachten Eiersalat und stärken uns so für den bevorstehenden Arbeitstag. Marius muss noch den Bericht vom Machu Picchu und die Wanderung über die Isla del Sol schreiben. Das ist wirklich schon eine gefühlte Ewigkeit her. Ich hingegen habe mir als Ziel gesetzt alles bis zum heutigen Tag zu schreiben. Was ich dann auch schaffe. Nach einem intensiven Schreibtag fehlen jetzt eigentlich nur noch die Fotos und dann schauen wir mal, ob die Internet Leitung stark genug ist um unsere Berichte online zu stellen.

Von Esquel nach Ushuaia
04.11.-08.11.2016  Tag 123-127

Es hat gerade gereicht um den Machu Picchu Bericht mitsamt seinen Fotos hochzuladen. Aber es ist ein gutes Gefühl, dass alles geschrieben ist. So machen wir uns am nächsten Morgen beschwingt auf den Weg. Verabschieden uns von unserer kleinen schwarzen Katze und sitzen auch schon wieder im Auto. Es wird ein langer Tag werden, denn unterwegs entscheiden wir uns spontan rüber zur Ostküste zu fahren. Wir biegen also irgendwann links ab und halten Kurs auf Comodoro Rivadavia. Warum über dieses Städtchen an der Ostküste von Argentinien nichts im Reiseführer steht wird uns bewusst, je näher wir der Stadt kommen. Es scheint hier Öl zu geben und so kommen wir an einem Bohrturm nach dem nächsten vorbei. Wir sind froh nach einer Tagesetappe von gut 570 km etwas südlich von Comodoro Rivadavia in einem Dörfchen namens Rada Tilly anzukommen. Dank unserer App finden wir schnell einen Campingplatz, wir wollen endlich wieder Zelten, sind uns aber noch unschlüssig ob unser Zelt dem Sturm standhält. Glücklicherweise verfügt unser Campingplatz über eine Trennwand aus Beton in dessen Windschatten wir unser Zelt im Sturm errichten. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen bei dem Wind. Doch irgendwann steht unser Zelt und ich koche uns im Sturm unser Abendessen. Unser Kocher muss ganz schön kämpfen gegen den Sturm, doch nach einer gefühlten Ewigkeit kocht das Nudelwasser und die Nudelsauce ist heiß genug für unseren kulinarischen Ausflug in die Campingküche. Wir haben sogar Strom an unserer günstigen Campsite. Marius spielt im Auto noch etwas mit seinem Computerspiel und ich schlüpfe schonmal in unsere neuen Mumienschlafsäcke die uns eine muckelig, warme Nacht bescheren. Lediglich der Dreck der manchmal vom Wind aufgewirbelt in unser Vorzelt und durch das Fliegengitter unseres Unterzelts in unsere Gesichter gewirbelt wird empfinden wir etwas störend. Doch wir schlafen hervorragend im Sturm und brechen am nächsten Morgen nach dem Frühstück weiter gen Süden auf.
Von Rada Tilly geht es heute für knapp 450 km weiter nach Puerto San Julian. Die Fahrt führt uns wieder an unzähligen Bohrtürmen vorbei durch eine eher langweilige Landschaft. Der Sturm lässt nicht nach und schüttelt unser Auto ordentlich durch. Puerto San Julian ist ebenfalls eine Stadt, deren Erwähnung lediglich als Übernachtungsplatz den Weg in Unseren Blog gefunden hat. Der Campingplatz hingegen ist sehr schön. Mit Feuerstelle, Meerblick und dem absolut günstigsten Preis von 6 Euro verbringen wir eine weitere Nacht im Sturm. Kurz nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben und das Essen schon lecker auf unserem Kocher im Sturm vor sich hin köchelt bekommen wir Besuch von einem äußerst hübschen, großen Schäferhund. Er verbringt den Abend mit uns, wird ausgiebig geknuddelt und erschleicht sich durch seine süße Art sogar noch ein paar Schinkennudeln von uns. Nach dem Essen bleibt er noch eine Weile, bevor er sich erst von mir und dann von Marius verabschiedet und sich davon macht. Nach den letzten Erlebnissen mit unseren „Haustieren“ kommen wir immer mehr zu dem Schluss, dass wir auch ein Haustier haben wollen wenn wir wieder zuhause sind.
Die Nacht wird kalt am Meer, doch unsere Schlafsäcke erweisen sich erneut als perfekte Investition.
Von Puerto San Julian geht es am nächsten Tag weiter nach Rio Gallegos. Vor uns liegt eine Strecke von gut 370 km. Aber wenn wir dort sind, trennt uns nur noch eine bis max. zwei Tagesetappen von Ushuaia, dem ersten großen Ziel unseres Roadtrips. Kurz vor Rio Gallegos erreichen wir den ausgewählten Campingplatz an einem Anglerheim. Doch schon als wir aussteigen, bemerken wir, dass es empfindlich kalt geworden ist. Zudem stürmt es nach wie vor unermüdlich. Auf dem Weg in die Stadt fängt es dann auch noch an zu regnen und wir entscheiden uns für eine richtige Unterkunft. Diese finden wir bei einer älteren Argentinierin, deren kleines Hostel nicht ganz günstig ist, dafür aber mit großmütterlichem Charme eingerichtet ist. Mit Blümchentapete, Gemeinschaftsbad und Gemeinschaftsküche. Da Rio Gallegos, leider auch keine schöne Stadt ist, bleiben wir im Hostel und verkochen unsere letzten Lebensmittel. Denn am nächsten Tag müssen wir ja wieder die Grenze nach Chile überqueren.
Am nächsten Morgen starten wir etwas später als geplant, so dass wir es wohl nicht ganz mit Ushuaia schaffen werden. Auf unserer heutigen Route liegen 2 Grenzübergänge und eine Fährfahrt. An der ersten Grenze klappt alles Reibungslos, unser Auto wird auch nur kurz in Augenschein genommen und wir können passieren. Auch die Fährüberfahrt klappt einwandfrei. Wir kommen direkt auf die Fähre und sind schon eine halbe Stunde später auf der anderen Seite. Schon kurz nach der Überfahrt wird die Straße zur Schotterpiste. Gut, das hatten wir im Reiseführer gelesen. Die Schotterpiste erstreckt sich bis zum nächsten Grenzübergang. Während wir gemütlich über die Schotterpiste schaukeln bringt uns die plötzlich aufleuchtende Tankleuchte etwas aus der Ruhe. Ob wir es wohl noch rechtzeitig aus dem Niemandsland heraus in die Zivilisation und zu einer Tankstelle schaffen werden?! Leider ist die nächste Tankstelle auch erst hinter der Grenze, die noch einige Kilometer entfernt ist. Unruhig fahren wir weiter durch Schaf und Kuhwiesen. Die Landschaft hier erinnert uns doch stark an Irland. Da endlich, am Horizont sehen wir den Grenzübergang. Leider nur den Chilenischen, was bedeutet, dass es noch mal weitere km zur Argentinischen und damit zur lang ersehnten Tankstelle sind. Doch erstmal der Checkout aus Chile. Es gestaltet sich diesmal schwieriger als erwartet, den am Chilenischen Grenzübertritt wird gestreikt. Nur zu bestimmten Zeiten wird gearbeitet. Bis zum nächsten Arbeitsfenster sind es noch fast 2 Stunden. Wir erhalten eine Nummer und Reihen uns in die Autoschlange der anderen Wartenden. Zum Glück haben wir die Nummer 8, so dass wir nicht lange warten müssen, als die Grenze gut 2 Stunden später wieder öffnet. Wir fahren also weiter zur argentinischen Grenze, die wir unkompliziert passieren und da ist sie dann, unsere lang ersehnet Tankstelle. Haben wir ein Glück gehabt.  Wir tanken voll und fahren erleichtert weiter. Es dämmert mittlerweile und wir wissen, dass wir es nicht mehr nach Ushuaia schaffen werden. Nach 400 km machen wir einen letzten Übernachtungsstopp in einem kleinen Hostel, bevor wir dann am nächsten Tag die letzten 220 km nach Ushuaia fahren. Da wir keine Lebensmittel mehr haben, gehen wir am Abend Essen und freuen uns auf den nächsten Tag und die Ankunft in Ushuaia.

 

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