La Paz – How to survive the Death Road…

05.10-11.10.2016 Tag 93-99
Mit vielen tollen Eindrücken von der Isla del Sol geht es heute weiter nach La Paz. Wir verhandeln gut und finden einen Bus, der uns für 20 Bolivianos umgerechnet ungefähr 2,50 EUR nach La Paz fährt. Die Fahrt soll gute 4 Stunden dauern und beinhaltet sogar eine Bootsüberfahrt über den Lake Titicaca. Im Bus treffen wir 2 deutsche Mädels wieder, die Marius schon am Machu Picchu kennengelernt hat. Ansonsten besteht der Bus aus einem bunten Mix aus Einheimischen und Touristen.
Gute 5 Stunden später kommen wir in La Paz an. Unglaublich, die Straßen zu dieser Metropole bestehen aus Schotter und riesigen Schlaglöchern. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Für den Weg zum Hotel gönnen wir uns ein Taxi, denn mit unseren schweren Rucksäcken wollen wir nicht unbedingt wie ein Weihnachtsbaum durch die Stadt laufen. Unser Hotel ist soweit in Ordnung. Wir schlendern noch ein bisschen durch unser Viertel, gehen eine Pizza essen und buchen unseren Tagestrip zur Death Road für den nächsten Tag. Achja und endlich finde ich eine warme Winterjacke nach meinem Geschmack 🙂
Wir gehen früh is Bett, denn am nächsten Morgen treffen wir uns bereits um 7:00 Uhr mit unserer Reisegruppe zur Death Raod. Leider gibt es um 6:30 Uhr noch kein Frühstück in unserem Hotel. Aber wir haben Glück. Nebenan im Cafe del mundo gibt es schon einen Kaffee und ein Stück leckeren Schokoladenkuchen für uns.
Wir nehmen unser Equipment bestehend aus einem Helm, einer Hose, einer Warnweste und Handschuhen in Empfang und ehe wir uns versehen sitzen wir auch schon mit einem holländischen, einem Schweizer Pärchen und einem jungen Mann aus Argentinien im Bus. Die Fahrräder auf dem Dach düsen wir durchs morgentliche La Paz ca. 1 Stunde zum Startpunkt der Death Road.
Am Startpunkt angekommen machen wir uns fertig, nehmen unsere Bikes in Empfang und erhalten noch letzte Instruktionen von unserem Guide. Wir befinden uns auf 4.600 m. Bisher der höchste Punkt unserer Reise. Von hier aus geht es auf einer Distanz on 64 km runter bis auf 1.500 hm. Das erste Drittel ist eine kurvige Asphaltstraße mit atemberaubenden Panoramen. Hier lassen wir es richtig krachen, mit einer max Geschwindigkeit von 68 km/h preschen wir die Straße runter. Wow! Das macht richtig Spaß! Wir überholen Lkw’s und kleine Reisebusse. An Spektakulären Aussichtspunkten machen Fotostops und haben wirklich richtig viel Spaß.
Ein kleines Stückchen müssen wir noch mal mit dem Bus fahren, denn bergauf, würde es uns zuviel Zeit kosten. Nur 15 Minuten später sind wir auf unserer Schotterpiste und der eigentliche Spaß beginnt.
Wir düsen über die Schotterpiste ständig bergab. Unsere Pedalen brauchen wir eigentlich nur, damit unsere Füße nicht orientierungslos in der Gegend rumbaumeln. Mit jedem Meter den wir tiefer kommen, wird es wärmer. Wir entledigen uns Stück für Stück unserer Klamotten. Es macht soviel Spaß, dass wir gar nicht merken wie die Zeit vergeht. Ordentlich durchgeschüttelt von der Schotterpiste erreichen wir schon bald unseren Mittagspausen Ort. Ein leckeres Brötchen mit Ei, Bananen und etwas Süßes zum Abschluss stärken uns für die Weiterfahrt. Mittlerweile befinden wir uns im Dschungel. Bunte Schmetterlinge begleiten uns auf unserem Weg und immer wieder kreuzen wir kleine Wasserfälle, die aus den hohen Bergen auf uns herabregnen und für eine kurze Erfrischung sorgen. Wir düsen weiter über die kurvenreiche Downhill Strecke. Es macht wirklich Spaß! Wir begegnen lediglich ein paar anderen Bikern die sich ebenfalls auf der Death Road vergnügen, ansonsten sind wir allein mit unserer Gruppe. Keine Autos, kaum Menschen, wir haben den Camino de muerte für uns. Nach einer ganzen weile erreichen wir ein gerades Stück. Hier benötigen wir das erste Mal unsere Pedale. Am Ende des geraden Stückes erreichen wir einen Aussichtspunkt. Hier machen wir eine kurze Pause, lernen von unserem Guide über Coca Anbau und die nahegelegene Stadt Coroico. Es ist heiß, mittlerweile sitzen wir in kurzen Hosen und im T-Shirt auf unserem Fully. Der Minibus, welcher uns auf jedem Meter begleitet ist gleichzeitig unser Versorgungsauto und Gepäcktransport. Ab hier ist es nicht mehr weit. Nur noch ein paar Kilometer steile Schotterpiste und wir sind am Ziel unseres Tagesausfluges. Mir persönlich reicht es auch langsam. Ich bin froh, wenn wir wieder eine befestigte Straße unter den Rädern haben. Nur noch ein paar Steilkurven, vorbei an Coca Plantagen. Und dann ist es auch schon passiert, schneller als ich reagieren kann, verbremse ich mich nach eine Kurve vor einem Stein. Mein Hinterrad bricht zur Seite Weg und schon liege ich auf dem Steinigen Untergrund. Das Atmen fällt mir im ersten Augenblick schwer. Es dauert einen Moment ehe ich mich wieder gesammelt habe. Ehe ich mich versehe sind auch schon zwei Teilnehmer und der Busfahrer bei mir. Sie helfen mir auf und ich setze mich erstmal an den Straßenrand um mich zu sammeln. Mir ist schwindelig und es fühlt sich an als würde ich gleich Ohnmächtig. Doch ich sammle mich und nach einem ordentlichen Schluck Wasser geht es auch schon wieder besser. Der Busfahrer reinigt meine Wunden, deren Schmerz ich erst in den nächsten Tagen so richtig zu spüren bekommen werden. Das rechte Knie und den Ellenbogen hat es erwischt. Doch ich kann alles gut bewegen, das ist gut! Ich werde in den Bus verfrachtet, mein Fahrrad kommt aufs Dach und ich beende meinen Ausflug über die Death Road für die letzten 800 m im Bus. Das hätte nun wirklich nicht sein müssen. Aber gut, zum Glück ist nichts schlimmeres passiert.
Am Ende der Death Road sammeln wir alle Teilnehmer wieder ein und wir fahren gemeinsam zu einem kleinen Hotel mitten im Dschungel. Hier gibt es ein warmes Buffet, einen erfrischenden Pool und etwas Zeit sich von unserer Fahrt zu erholen. Unser Guide reinigt noch mal meine Wunden. Autsch, das brennt aber richtig. Ich werde verbunden und so langsam kommen die Lebensgeister zurück. Ich esse eine Kleinigkeit mit den anderen und langsam brechen wir zur Rückfahrt nach La Paz auf.
Warum heißt die Straße eigentlich Death Road. Lange Zeit war dies die einzige Verbindungsstraße und auf ihr sind viele Menschen ums Leben gekommen. Entweder weil die Fahrer übermüdet oder gar betrunken mit ihren Fahrzeugen in die Tiefe gestürzt sind. An manchen Abhängen konnten wir sogar noch die Wrackteile in der Tiefe erkennen. Einer ganzen Fußballmannschaft und ihren Fans ist die Straße einst zum Verhängnis geworden. Die tiefen Abgründe dienten sogar einst als politischer Entsorgungsweg. Hier wurden Anhänger der falschen Partei in die Tiefe gestürzt. Glücklich und zufrieden, dass wir überlebt haben, wenn auch nicht ganz unbeschadet erreichen wir 3 Stunden später La Paz. Hier erhalten wir ein T-shirt und verabschieden uns von den anderen Tour Teilnehmern.
wir suchen als erstes eine Apotheke auf, damit ich meine Wunden von nun an selbst versorgen kann. Einen Besuch beim Arzt verweigere ich und wir beschießen den ereignisreichen Tag mit einer Pizza und einem Wohlverdienten Bier.
Unsere Pläne am nächsten Tag weiterzureisen sind leider durch meinen Sturz vereitelt worden. Ich kann kaum Laufen, undenkbar mich für 12 Stunden oder mehr in einen Bus zu setzten. Zum Glück hat unser kleines schäbiges Hotel kein Zimmer mehr für eine Verlängerung unseres Aufenthaltes frei. So ziehen wir mit Sack und Pack in ein anderes, hübscheres Hotel etwas oberhalb unserer Straße. Der Weg dorthin mit meinem Rucksack fällt mir sichtlich schwer. Doch 25 Sol für ein Taxi finden wir für dieses kurze Stück nicht gerechtfertigt. Soviel haben wir ja nicht mal für die 4 Stunden Busfahrt von Copacabana nach La Paz bezahlt.
Wir verbringen die nächsten Tage und Nächte entspannt in unserem hübschen Hotel und schaffen es sogar noch am letzten Tag den Hexenmarkt und das Zentrum von La Paz zu besichtigen. Wir sind uns schnell einig, ein längerer Aufenthalt in dieser Stadt lohnt sich definitiv nicht.
Also nehmen wir sobald ich wieder besser Laufen kann den Nachtbus nach Sucre.
Wir gönnen uns einen Cama Sitz, und schlafen sogar ganz gut.

Noch ein paar wenige Eindrücke aus La Paz, nachdem ich wieder laufen konnte:

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