Ushuaia nach El Puerto Natales

Ushuaia nach El Puerto Natales  11.11-12.11.2916 Tag 126-127
Uns ist klar, dass es ein langer Tag werden wird. Uns trennen gut 670 km von unserem heutigen Etappenziel. Wir haben noch keine Unterkunft gebucht, da wir nicht wissen, ob wir es wirklich soweit schaffen. Die erste Etappe ist der Grenzübergang nach Chile. Als wir Ushuaia verlassen werden wir von Schneeschauern begleitet. Doch nachdem wir den Pass überquert haben klart auch das Wetter auf und wir befinden uns wieder in einer Landschaft die an Sylt und Irland erinnert. Wir folgen dem Weg, den wir schon nach Ushuaia gefahren sind und erreichen den Grenzübergang recht zügig. Wir stellen fest, dass immer noch gestreikt wird und richten uns auf eine gut 2 stündige Wartezeit ein. Zum Glück scheint die Sonne und wir können draussen am Kiosk, das wir schon von der Hinfahrt kennen auf den Bänken warten. Ohne Probleme kommen wir über die Grenze. Diesmal wird unser Auto auch nicht durchsucht und schon bald sind wir auf der Schotterpiste Richtung Fähre. Diesmal nehmen wir den richtigen Weg und freuen uns, dass die Schotterpiste nicht ganz so schlimm ist, wie die von der Hinfahrt und glücklicherweise auch wesentlich kürzer. Jetzt endlich glaube ich Marius auch, dass wir uns auf der Hinfahrt verfahren haben. Wir erreichen die Fähre gegen kurz vor 18 Uhr und haben Glück dass wir direkt auf die nächste Fähre kommen. Ab hier verlassen wir nun den bekannten Weg und halten uns westlich Richtung Punta Arenas. Von hier sind es immer noch gute 150 km bis Punta Arenas. Wir sind zuversichtlich, dass wir unterwegs eine Bleibe finden und nicht bis Punta Arenas durchfahren müssen. Doch wir haben uns getäuscht, nicht ein Gasthof begegnet uns auf unserem Weg. So fahren wir weiter und erreichen Punta Arenas gegen 20:00 Uhr. Jetzt brauchen wir nur noch eine Unterkunft und vor allen Dingen was zu Essen. Die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich schwieriger als erwartet. Die Stadt ist voll von Hostels, doch alle sind sie ausgebucht. Nach gut 1,5 Stunden und gut 15 angefragten Hostels werden wir endlich fündig. Ein schäbiges Viererzimmer mit stolzem Preis  und ohne Frühstück wird unsere Unterkunft für diese Nacht. Das schräg gegenüber liegende Restaurant serviert uns auch noch um 22 Uhr ein akzeptables Stück Rindfleisch, so dass wir schon kurze Zeit später satt und zufrieden in unsere Betten fallen.
Unser Etappenziel für den nächsten Tag ist das nur 260 km entfernt liegende Puerto Natales. Ein Kinderspiel nach der gestrigen Tortour, so denken wir. Diesmal sind wir schlauer und buchen direkt eine Unterkunft am Zielort und fahren entspannt nach einem leckeren Frühstück in Punta Arenas los. Das Städtchen sieht im hellen und mit vollem Magen sogar ganz nett aus.
On the Road again erreichen wir schon bald die Kreuzung an der wir am Tag zuvor abgebogen sind. Die sich hier befindende Tankstelle ist leider nicht mehr in Betrieb. Trotz einiger Zweifel, ob der Sprit in unserem Tank noch bis Puerto Natales reichen wird entscheiden wir uns für die Weiterfahrt. In guter Hoffnung, dass auf den nächsten 250 km noch eine Tankstelle auf uns warten wird. Wir machen unterwegs noch den ein oder anderen Fotostopp und langsam macht sich bei mir die Befürchtung breit, dass wir es mit unserer Tankfüllung nicht schaffen werden. Immer   wieder checke ich unsere Navi App auf der Suche nach einer Tankstelle. Doch Fehlanzeige, die App spuckt keine Tankstelle aus und auch in der wahren Welt kommen wir leider an keiner Tankstelle vorbei. Gut 100 km vor Puerto Natales ist es dann soweit. Unser Tank ist leer. Wir stoppen an einer Polizeistation in der Hoffnung hier Hilfe zu erhalten. Doch Fehlanzeige. Die Polizisten sind nicht in der Lage uns zu helfen und reagieren auch eher gleichgültig auf unser Problem. Gegenüber der Polizeistation befindet sich eine Bushaltestelle, an der ein Chilene auf den nächsten Bus wartet. Gut, es gibt schon mal einen Bus mit dem wir weiterkommen. Trotzdem halten wir verschiedene Autos an, in der Hoffnung, sie hätten vielleicht einen Benzinkanister an Board. Doch wieder Fehlanzeige. 3 nette junge Männer halten an und versuchen uns zu helfen. Doch sie haben selbst nur Diesel im Tank und wir hätten sowieso keinen Schlauch um etwas umzufüllen. Auch sie versuchen es nochmals mit perfektem Spanisch an der Polizeistation, doch auch sie werden gleichgültig abgewiesen. Im nächsten Moment kommt auch schon der Bus um die Ecke. Wir müssen schnell entscheiden. Julia und Tobias steigen kurzerhand mit ihren Wertsachen in den Bus und werden versuchen in Puerto Natales Benzin aufzutreiben. Marius und ich halten weiter Autos an in der Hoffnung auf Benzin. Doch wir sind erfolglos. Aber irgendwie müssen wir uns ja die gut 5 stündige Wartezeit vertreiben. Von unserem Parkplatz an der Straße können wir am Horizont eine Art Schaffarm ausmachen. Kurzerhand entscheide ich mich dort hinzulaufen in der Hoffnung auf Hilfe. Ich kämpfe mich also durch den Sturm die Straße entlang. Als ich bei der vermeintlichen Farm ankomme ist diese verlassen. Lediglich drei Lamas schauen mich genauso ratlos an wie ich sie. Ich kämpfe mich also wieder zurück zum Auto. Da wir nicht wissen was wir jetzt machen sollen, tuckern wir so spritsparend wie möglich unserem viel zu weit entfernten Ziel entgegen. Nach gut 5 km verschwindet auch der letzte Balken unserer Tankanzeige und uns wird bewusst, dass wir nur noch so 3-4 L Sprit  im Tank haben. Vorsorglich bleiben wir an der nächsten Bushaltestelle stehen und verbringen die restliche Zeit mit Warten. Wir stehen im regelmäßigen SMS Kontakt mit Tobi und Julia, die ihren Weg nach Puerto Natales erfolgreich gemeistert haben. Einer der 3 Chilenen hatte den Busfahrer über unsere Situation aufgeklärt, der wiederum hatte seinen Bruder informiert, der die beiden direkt für ein kleines Trinkgelt von der Bushaltestelle abgeholt hat. Mit einem kurzen Zwischenstopp zuhause, wo er einen Tank und einen Einfüllstutzen aus einer aufgeschnittenen Plastikflasche und einem Stück Schlauch besorgt hat, geht es auch schon weiter zur Tankstelle. 15 L später und einer kurzen Fahrt zum Busterminal warten die beiden auf ihren Bus zurück. Pünktlich um 18:15 wie von Tobi geschätzt biegt der Bus um die Kurve und fährt in unser Sichtfeld. Freudestrahlend hüpfen wir beide aus dem Auto, wo wir uns die Wartezeit mit einem Hörspiel vertrieben haben und winken freudestrahlend dem Bus entgegen, der wenig später anhält um Tobi und Julia mitsamt Benzinkanister und Einfüllstutzen aussteigen zu lassen. Sobald unser Auto wieder Sprit hat düsen wir freudestrahlend nach Puerto Natales, wo wir für de nächsten 2 Nächte unser 4 Bett Zimmer beziehen. An dieser Stelle möchten wir Tobias und Julia nochmals herzlich für ihre Unterstützung danken!
Bevor wir zum Abendessen gehen, machen wir uns noch über den Nationalpark Torres del Paine schlau, den wir am nächsten Tag besuchen wollen. Erstaunt stellen wir fest, dass es nochmals gut 80 km bis zum Nationalpark sind. Sofort steht fest, die erste Amtshandlung am nächsten Morgen wird ein Besuch bei der Tankstelle sein.
Statt eine Tour für 35.000 Chilenische Pesos zu buchen, umgerechnet gut 46 EUR pro Person, entscheiden wir uns die Tour auf eigene Faust zu machen. Schließlich haben wir ja ein eigenes Auto. Jetzt ist es aber wirklich Zeit für ein ordentliches Abendessen. Was für ein abenteuerlicher Tag.

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